Hans Barth
Grand Rue 16
1700 Fribourg

Herr Adolf Ogi
Altbundesrat und Präsident
des Patronatskomitees UNESCO Welterbe
Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch
und
Herr Benedikt Weibel
Präsident
c/o Managementzentrum
Postfach 444
CH-3904 Naters


Fribourg, den 28-10-2009

Sehr geehrter Herr Ogi, Sehr geehrter Herr Weibel,

Im Internet 1) erscheinen Ihre jeweiligen fast identischen Antwortschreiben vom 2.10.2009 an das Komitee „Démonter Louis Agassiz“, das sich darum bemüht, dass ein zum UNESCO Welterbe gehörender Alpengipfel nicht mehr nach einem der wichtigsten Rassisten benannt wird, sondern nach einem seiner Opfer, dem Sklaven Renty.

In Ihren Briefen teilen Sie mit, dass es nicht zu Ihren Aufgaben gehöre, „die öffentliche Wahrnehmung eines Wissenschaftlers aufzuarbeiten und zu korrigieren“ und dass Sie sich deshalb auch nicht „in die Namenskorrektur von Gipfeln“ involvierten. Sie verweisen dabei auf „andere kompetente Stellen“.

Die Arbeitsteilung, auf die Sie sich damit zurückziehen, mag im allgemeinen sinnvoll sein, im besonderen Falle des „Agassizhorn“ 2) als Teil des „Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“ allerdings würde sie den Idealen des UNESCO Welterbes schweren Schaden zufügen.

Mit der Aufnahme des „Agassizhorn“ in ein UNESCO-Welterbe wird zugleich einer der wichtigsten und einflussreichsten Rassisten des 19. Jahrhunderts in herausragender Weise geehrt und bekannt gemacht.

Es erscheint in der Tat unvereinbar mit der Satzung der Stiftung UNESCO Welterbe, wenn Sie gerade in diesem Falle erklären, nicht zuständig und betroffen zu sein.

Insbesondere geht dies aus Artikel 4 und Artikel 27.1 der Satzung UNESCO Welterbe hervor. So unterstreicht Art. 27.1 ausdrücklich die Pflicht, „insbesondere durch edukative Programme und Informationskampagnen bei den BürgerInnen die Wertschätzung für und den Respekt vor dem Kultur- und Naturerbe zu stärken“.

Nun ist aber im „Agassizhorn“ ein Stück einzigartiger Natur unlöslich verknüpft mit dem Namen eines herausragenden Rassisten und einer menschenverachtenden Ideologie, die vor wenigen Jahrzehnten im Holocaust ihren Höhepunkt fand.

Es erscheint mir völlig undenkbar, dass die Stiftung UNESCO Welterbe sich dieser Tatsache gegenüber für unempfindlich und nicht zuständig erklärt.

Ich bitte Sie deshalb um Ihre Unterstützung für alle Forderungen, das „Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“ vor jeder Verbindung mit der Rassismus-Ideologie zu bewahren.

Mit der Hoffnung auf Ihre Unterstützung und in Erwartung einer ermutigenden Antwort, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüssen

Hans Barth


Kopie an :
World Heritage Centre / UNESCO
7, Place de Fontenoy
75352 Paris 07 SP
France

Komitee „Démonter Louis Agassiz“
c/o Hans Fässler
Cunzstr. 31
9016 St. Gallen
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1) www.louverture.ch
2 ) Vgl. den Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 12.9.2007: „Louis Agassiz [...] vertrat [...] rassistische Ansichten, die weit über das in jener Zeit übliche rassische Interpretationsparadigma hinausgingen. Es besteht kein Zweifel, dass der heutige Bundesrat sein rassistisches Denken verurteilt.“